Weniger Dschihad, mehr Kanaren


Der Irak wirbt in Europa um mehr Touristen. Doch die Sicherheitsbedenken wiegen schwer
 *Rico Grimm*
 Rico Grimm, Berlin

 Babylon liegt jetzt neben Spanien. Das hat Fadil al-Saigh so beschlossen. Denn Babylon und Spanien, diese Verbindung ist gut fürs Geschäft. Al-Saigh ist Reiseunternehmer aus dem Irak und will europäische Kunden gewinnen, allen Reisewarnungen zum Trotz.
 Deswegen hatte er seinen Messestand auf der jüngst beendeten Internationalen Tourismusbörse (ITB) in die Halle Spaniens verlegt - weg von den anderen arabischen Ländern, hin nach Europa. Weniger Dschihad, mehr Kanaren, das ist das Signal.

 Al-Saigh ist Teil einer irakischen Charmeoffensive. Wenn man den Zahlen des irakischen Tourismusministers glauben kann, haben 2006 insgesamt 270 000 Touristen das Land besucht. In diesem Jahr will der Irak mit zwei Millionen Gästen fast neunmal so viele Besucher empfangen.
 Aber das reicht dem Land noch nicht. Im nächsten Jahr will das Tourismusministerium antike Schätze auf eine Welttournee schicken. Ein Wunschstopp: das Pergamonmuseum in Berlin.
 "Es gibt nur wenige wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und dem Irak", heißt es bei der irakischen Botschaft in Berlin. "Deswegen versuchen wir es jetzt auf dem kulturellen Weg." Al-Saigh will bald ein Büro in Berlin eröffnen. Am liebsten am Kurfürstendamm. In England, Kanada und Russland hat er bereits Zweigstellen.

 Der Unternehmer hat seinen Stand groß und blau gestaltet, hat ihn dem babylonischen Ischtar-Tor nachempfunden und ihm vier Eingänge verpasst, durch die Besucher aus allen Richtungen hereinkommen können. Er sagt: "Der Irak ist da!" Seine Mitarbeiterinnen, alles Deutschirakerinnen, die ohne Bezahlung an den fünf Messetagen gearbeitet haben, unterstützen ihn. Areij Nahed sagt: "Der Norden des Landes ist besonders schön, auch für Familien mit Kindern." Nahed hat sich extra Urlaub genommen, um für ihr Land zu werben.

"Es ist eine Stolz-Sache." Draußen machen gerade drei polnische Tourismusstudenten ein Foto des blauen Tores. Und weil sie nicht die Einzigen sind, die heute Fotos machen, könnte al-Saighs Kalkül aufgehen und sich eine Idee in den Köpfen der Europäer festsetzen: Man könnte ja mal in den Irak reisen. Soll ein interessantes Land sein.
 Die ersten Abenteurer waren längst dort. Vor allem im vergleichsweise ruhigen Norden, in Kurdistan, tummeln sie sich. "Es gibt für alles eine Nachfrage", sagt Ulla Fischer vom Reiseunternehmen Ikarus Tours. Sie hat mit al-Saigh auf der Messe erste Gespräche geführt. Fischer würde gern Reisen nach Kurdistan anbieten. "Aber man muss sehen, was das Auswärtige Amt sagt." Und das sagt zur Zeit: "Vor touristischen Reisen nach Irak wird gewarnt." Al-Saigh lächelt solche Sicherheitsbedenken einfach beiseite. Auf der ITB kam auch ein kleiner, vergnügter Mann durch das blaue Tor. Es war Michael Kerkloh, der Geschäftsführer des Flughafens München. Er hatte nur wenig Zeit, vor einem Termin mit den Bundesministern Peter Ramsauer und Ilse Aigner. Händeschütteln, nette Worte mit al-Saigh. Kerkloh steckte flink ein Kärtchen ein. Man weiß ja nie.



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